Shalupp

Damit die Shalupp in dieser Jubiläumsschrift auch ihren Platz findet, wurde ich darauf angesetzt, etwas über sie zu schreiben und mich zugleich mit diesem Text vorzustellen.

Wir wissen nicht sehr viel über die Geschichte der Shalupp, das heißt zum Beispiel, dass das Baujahr 1910 eher auf Schätzungen beruht. Wir denken aber, dass sie allemal ihre 70 Jahre auf dem Buckel hat. Ihr Rumpf ist durch die bis zu 25 mm dicken Eichenplanken, sowie durch die auf der ganzen Länge eingezogenen Spanten sehr robust. Sie war wahrscheinlich als Trainingsschiff gebaut und fuhr lange Zeit auf der Ostsee und den ihr angrenzenden Gewässern. Die Shalupp wurde von ihren Vorbesitzern an den VSS verkauft. Das Dumme war bloß, dass sie schlecht gelagert auf ’nem Acker ziemlich gelitten hat, bis sie nach Reutlingen zur Renovierung/Restauration geholt wurde. Dies geschah 1995. Auch wenn ich den Epoxi-Anstrich im Unterwasser-
Außenbereich schon oft verflucht habe, so wie den U-Stahl unterm Kiel, wäre ohne diese einschneidenden Renovierungsarbeiten von damals mein Shalüpple schon lang nicht mehr. Ja ja, mein Shalüpple (…ich weiß ja, nicht meins allein) sag ich halt, weil sie mir über die Jahre schon ans Herz gewachsen ist.

Wenn man vom Probe-Arbeiten (Hospitations-Woche) ´99 absieht, hatte ich ab September 2000 die Möglichkeit, mit dem „schöneren“ der beiden Kutter des VSS warm zu werden. Zu der Zeit war die Shalupp, ja wie soll ich sagen… nun ja das Zivi-Schiff bzw. Stief-Kind. Meinen Zivildienst leistete ich vom 4. September 2000 bis 31. Juli 2001 beim VSS. Ich glaube, ich habe mich damals wohl infiziert. Denn 1 ½ Jahre später trat ich als frischgebackener Erzieher in den Dienst des VSS. Dies war nicht zuletzt möglich, weil Michael sich mit den Strapazen eines ABM- Antrages befasst hatte. Seit dem 15. November 2002 bin ich nun fest angestellt beim Verein. Im Sommer segeln und im Winter Schiffe reparieren. Die Shalupp erfährt natürlich jeden Winter ganz besondere Zuwendung. Die gemeinsame Zeit hat bei uns beiden ihre Spuren hinterlassen. Da ist die ein oder andere Schramme bei ihr, sowie auch bei mir. Im Winterlager 02/03 habe ich ihr einen neuen Vorsteven verpasst, inklusive 10 mm dicken V2A-Stahl-Beschlag am Bug. Das gibt ein sehr sicheres Gefühl, wenn einem (es kommt leider immer wieder vor) die schaulustigen Joghurt-Becher oder auch liebevoll von mir Tupperware genannten Yachten zu dicht heran kommen.

Im folgenden Winterlager war dann die Scheuerleiste fällig. Die von vielen Vereinsmitgliedern ach so geliebte Wieling (35 mm dickes geschlagenes Hanf-Seil, dass außen an der alten Scheuerleiste mit Spax-Schrauben befestigt wurde) stellte sich in der täglichen Arbeit (beim Schwimmen vom Schiff aus) als Verletzungs-Risiko dar. Ums kurz zu machen, da musste ’ne neue hin. Bei der neuen Leiste habe ich mir erlaubt auf die Leine zu verzichten und die Frechheit besessen, (hehe!) meinen Kutter bunt zu machen. Die Wahl fiel auf grün, und weil die Farbe so gefiel, habe ich den Balkweger gleich mit gestrichen. Ich rechnete mit dem Schlimmsten… Steinigung? Kiel-Holen?… das alles blieb aus.

Es wäre wahrscheinlich am einfachsten, jetzt kurz mal eben mit ihr rauszufahren, um sie Ihnen richtig vorzustellen. Das geht so nämlich nicht, so 1, 1 ½ DIN A 4-Seiten Shalupp und fertig, nee, da muss man rausfahren, Lappen hoch und warten. Weil: Wind ist Glücksache. Dann würden Sie merken, dass es hilft, ihr gut zuzureden, dass man je nach Windkurs schneller sein kann, wenn man die Segel am Fall in eine andere Höhe einstellt. Die Fock hängt viel zu hoch, aber dann kann man auch besser nach vorn Ausschau halten. Seit letztem Jahr hängt die Bord-Gitarre achtern auf´m Haken vom Rettungsring, 50 cm über der Wasseroberfläche. Sie ist überwiegend nacht-aktiv. So sind wir mal, ich glaube es war noch im Zivildienst, mit Vereinsmitgliedern in Überlingen gewesen und ca. 23 Uhr von dort aufgebrochen. Und weil Wind ging (so ½ bis 1 g), haben wir alle Segel gesetzt, die Gitarre rausgeholt und sind die 3 km von Überlingen nach Wallhausen bei Mondlicht und handgemachter Musik gesegelt. 200 m vor der Wallhausener Hafeneinfahrt holten wir das Groß-Segel ein, kurz vorm Aufschießer in den Hafen fiel die Fock, kurz drauf der Besan, die letzten 50 m wurde das Schiff verholt und wir legten ohne Motor fast lautlos an der Mauer beim Haus Roland an. Das Zitat eines Vereinsmitglieds in diesem Moment lässt ahnen, wie die Shalupp mit mir und ich mit ihr unterwegs sind:

„Huch, is´ schon viertel vor drei?“
Antwort:
„Siehste, hasse gar nich´ gemerkt.“


Stephan Heyligers

Artikel aus der Festschrift

Der Originalartikel aus der Festschrift:

Shalupp (s´Shalüpple)