Julius

Vor wenigen Wochen stand er noch frisch überholt im Garten im Haus Roland: Julius, der dritte Kutter unserer Flotte.

Möglicherweise stammt er aus der gleichen Werft, die auch die „Shalom“ gebaut hat: De Dood und Sohn, Bremerhaven. Dem entsprechend ist er ihr auch sehr ähnlich. Was ihn allerdings deutlich abhebt, ist seine Farbe: Julius trägt weiß, an Rumpf und Segeln. Trotzdem ist natürlich seine „Familienzugehörigkeit“ an der Luggertakelung und den Schwimmwestenträgern an Bord ganz klar auszumachen.

Gekauft haben wir ihn vom akademischen Seglerverband aus Kiel 1996.

Als Christof Korneck und Heiner Bauer den Kutter in Kiel abholten, stellten sie bei einer Rast auf der Autobahn fest, dass auf dem Heckspiegel mit Kreide(oder vielleicht Lippenstift?!) Blümchen und Herzen gemalt waren mit einem „Tschüß Julius“. Deshalb hat er als einziger unserer Kutter seinen Ursprungsnamen behalten dürfen. Seit seiner letzten Überholung, die 2005 beendet wurde, ist die schwungvolle Beschriftung, die vorher auch die Bugwand zierte, ganz klassisch am Heckspiegel angebracht.

Mehrere Jahre wurde er dann für erlebnispädagogische Maßnahmen genutzt. Meist von unseren ehrenamtlichen Skippern. Sabine Deppler zum Beispiel fuhr ihn regelmäßig mit Nichtsesshaften aus Tübingen.

Diese aktuelle Restaurierung hat Christof Korneck zusammen mit Stephan Heyligers und weiteren Vereinsmitgliedern mit viel Geduld und Liebe zum Detail durchgeführt. Für Stephan bekamen wir eine ABM-Stelle für die Restauration von der Arbeitsagentur Konstanz.

Jeder, der schon ein altes Holzboot restauriert hat, weiß, es ist immer viel mehr kaputt, als man denkt, und es dauert auch immer viel länger als man nach pessimistischen Schätzungen gedacht hat.

Am Ende waren es nun also drei Jahre, die es gedauert hat.

Julius hat eine regelrechte „Frischzellenkur“ hinter sich: die obersten Planken, der Balkweger, die Bodenbretter und das Vordeck wurden komplett neu gemacht. Außerdem wurden zusätzliche Bodenwrangen eingesetzt. Lenzpumpe und Elektrik wurden ebenfalls erneuert. Rege Diskussionen gab es in der Vergangenheit über das Thema „Erlebnispädagogik und Motorisierung“: Ist ein Motor pädagogisch sinnvoll? Gibt es Gruppen, für die ein Boot ohne Motor besser wäre? Kann ein Boot ohne Motor für alle Gruppen sicher genug sein? Lange blieb „Julius“ also ohne Motor. Jetzt hat er wie die beiden anderen Kutter ebenfalls einen Motor erhalten, so dass er auch für Kinder oder Menschen mit Behinderung sicher benutzt werden kann.

Der Heckspiegel wurde verstärkt. Die innere Beplankung musste zum großen Teil ausgewechselt werden. Christof Korneck hat lange getüftelt und sich beraten lassen, wie denn mit der Beplankung am Besten zu verfahren sei. Immer wieder konnte man ihn auf der Bootsmesse mit Bootsbauern fachsimpeln sehen, und ab und zu hat er Modelle seiner Planungen sehen lassen. Schließlich hat er die klassische Nietentechnik mit Kupfernieten verwendet.

Wenn ich aus der Entfernung sagen sollte, wer aus dem Verein wohl am meisten am „Julius“ hängt, fällt mir deshalb auch zuerst Christof Korneck ein – auch wenn es zahlreiche andere Menschen gibt, die nichts auf das Schiff kommen lassen. Die Beziehung zwischen Christof und „Julius“ war sicher zeitweise auch schwer belastet, immerhin konnte man auf die Frage „Was magst Du denn so gerne am Julius?“ irgendwann hören: „Ich weiß grade gar nicht, ob ich ihn überhaupt noch mag!“ Aber seit er wieder im Wasser ist und noch genauso schnell fährt wie vorher, hat er sich wieder mit ihm versöhnt. Immerhin konnte der Julius schon manche vereinsinterne Regatta gewinnen.

Das Durchhaltevermögen hat sich wirklich gelohnt!

Mehrere Jahre ist der „Julius“ schon für den VSS gefahren, ohne einen festen Liegeplatz zu haben. Er wurde für die Maßnahmen ins Wasser gelassen und an deren Ende wieder rausgeholt.

Jetzt wird er einen Liegeplatz in Konstanz erhalten und dadurch sicher noch häufiger genutzt werden können.

 

Willkommen zurück, Julius!

Artikel aus der Festschrift

Der Originalartikel aus der Festschrift:

Julius