Was mich beschäftigt / 20. Juli 2011
Zeitreise am Bodensee
Es waren sechs herrliche Tage im Jugendlager der Mandacher Kirchgemeinde am Bodensee, letzte Woche, von Sonntag bis Freitag. Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer halfen beim Kochen mit, bestimmten Menus und Desserts. Auch das Programm mit der Segeltheorie, der grusligen Gute-Nacht-Geschichte, dem Werwolfkartenspiel, der Freizeit in Konstanz und dem Kinoabend wurde goutiert. Weiter anerbot sich das Strandbad, die Fussballwiese und der Pingpongtisch als Beschäftigung vor und nach dem Abendessen.
Wasserschlacht
Montag, auf dem Überlingersee vor Wallhausen: Segelkutter „Shalupp“ näherte sich langsam der „Shalom“. Beide Boote fuhren mit dem Motor und kreuzten sich an Backbord. Die Besatzungen winkten sich freundlich zu. Plötzlich blinkte hier eine rote Pütz und kam dort ein schwarzer Plastikeimer zum Vorschein. Da wollte gar niemand harmlos am anderen vorbeiziehen, da interessierten sich beide Mannschaften nur für die Wasserschlacht. Diese dauerte nicht einmal zwei Minuten. Die Zeit reichte aber aus, alles klitschnass zu machen. Stellen Sie sich vor, sogar das Brot in der trockenen Lunchbox im Vorschiff war stellenweise angefeuchtet. Anschliessend war baden angesagt. Irgendjemand kam auf die Idee, die noch auf dem Schiff sitzenden Begleitpersonen zu einer Erfrischung zu zwingen. Ein gutes Gefühl, zu wissen, dass der Auslösemechanismus der Automatikweste bestens funktioniert.
Bei den Pfahlbauern
Dienstag, Besuch bei den Pfahlbauten von Unteruhldingen: Das An- und Ablegemanöver im Hafen am Schwimmsteg hatte bestens geklappt. Der Dialog zwischen dem Skipper und seiner jugendlichen Crew war von Klarheit geprägt: Klar bei der Vorleine, klar bei der Achterleine, klar bei Achter- und Vorspring! Der Landgang führte ins Pfahlbauermuseum. Die Zeitreise war zwar kurz, vermittelte jedoch einen Eindruck von „damals“. Schon damals wohnte man gerne am Wasser, wegen der Nahrung, den Handelswegen, der Sicherheit. Gegen Stürme schützte man sich mit einem grossen zweiteiligen Palisadenwall. Ob Pfahlbauerkinder auch so gerne badeten? Auf der Rückfahrt waren die Duchten so heiss, der Wind so schwach, dass unbedingt wieder eine Badepause eingelegt werden musste. Wiederum mit Schwimmweste, aber ohne Ambitionen auf eine Wasserschlacht. Angesagt war Schwimmen rund ums Schiff herum, ein riesiges Geplansche. Die Träger der Automatikwesten zogen für diese halbe Stunde wohlweislich eine normale Feststoffschwimmweste an und begaben sich auch ins Getümmel. Um auf dem Nachhauseweg Richtung Heimathafen etwas voranzukommen, startete Skipper Thomas den Aussenborder und brachte eine Schot aus. So konnten sich die Badenden schleppen lassen und darum kämpfen, wer im Rettungsring sitzen darf. Ein zeitloser Moment des Glücks – ganz ohne Handy.
Gute Nacht auch den Handys
Auf „hoher See“ hatte nur der Skipper sein Handy mit dabei. Klar, den anderen war es verboten. Grund: Gute Seemannschaft, kompliziertes Handling des Bootes mit seinen zwei Masten und drei Segeln und weil der Überlingersee bis 145 Meter tief ist. Trotzdem: Niemand vermisste bei den Tagesausflügen unterwegs auf dem Segelkutter sein Handy. Alle hatten mehr als nur eine Hand voll zu tun, mussten Schoten und Falle ziehen, die Pinne halten und Ausguck stellen. Mit der Zeit wurden alle richtig segelbegeistert, wiesen die Kollegin oder den Kollegen darauf hin, wenn dessen Segelstellung nicht richtig eingestellt war.
Zurück zu den Handys: An Land wurde das Handy eher gebraucht, noch mehr während der Nacht. Ab der zweiten Nacht wurden die Handys ab 22.30 Uhr in einer Box verstaut, damit die „lieben Handys“ auch etwas Ruhe haben. So konnten alle ihre Batterien aufladen – nicht nur die Handys. Zu fragen bleibt, wie die Pfahlbauer das nur ohne Handy gemacht haben? Nun, schon damals wusste man, dass einem ein Handy bei der Wasserschlacht auf dem See nur hinderlich wäre, und liess es darum im Dorf zurück. So oder ähnlich ist es heute und wird es wohl damals auch gewesen sein auf dem Überlingersee.
Christian König